Baum

G e s c h i c h t e n

Eine seltsame Liebe II


Dass Karl Manske sich allabendlich daran machte, seine Liebesgunst einem alten Baum zu schenken, ist bekannt. Auch dass dieser Baum im Garten von Manskes Nachbarn stand. Was wir noch nicht wissen, ist, dass Manskes Nachbar bald dahinter kam, was Manske nachts in seinem Garten trieb. Der Nachbar, ein Mann mit Geschäftssinn, trug Manske die früheren Querelen, die der wegen Belästigung durch den Hund angezettelt hatte, nicht nach. Er schloss mit Manske einen Miet- und Nutzungsvertrag, der gegen eine vergleichsweise geringe Gebühr es Manske erlaubte, unbehelligt sein Sexualleben zu praktizieren. Sein Budget besserte der Nachbar dadurch auf, dass er zwanzig Infrarotferngläser kaufte und die gegen wiederum eine vergleichsweise geringe Gebühr an die Bewohner der Häuser ringsum verlieh.

Manskes Freundin litt zunehmend unter der fortschreitenden und andauernden sexuellen Unlust ihres Partners, so dass ihr der Nachbar gerade recht kam, als der ihr gegen geringe Gebühr ein Infrarotfernglas überließ. Sie müsse nur in der Nacht das Glas in seinen Garten richten, und beste Unterhaltung sei ihr gewiss.

Den Fortgang muss man sich ungefähr so vorstellen: Manskes Freundin, ausnahmsweise nicht erbost über das Ausbleiben des Partners, denn sie hatte ja was vor, trat nachts ans Küchenfenster, das dem nachbarschaftlichen Garten zugewandt war, und betrachtete eben jenen durch das geliehene Infrarotfernglas. Direkt beim alten Baum machte sie bald eine Bewegung aus, justierte die Schärfe des Fernglases und - war wie vom Donner gerührt. Ihr Freund fickte einen Baum!
Als Manske ca. eine Stunde später nach Hause kam, saß sie, die Freundin, in der Küche und weinte. Beim Anblick Manskes erlitt sie einen heftigen Wutanfall und schmiss mit dem Fernglas nach ihm, das Manske am Kopf traf. Manske blieb stehen, das Fernglas ging zu Boden und zerbrach.
Wie er ihr sowas antun könne, zeterte sie. Das sei ja wohl total pervers, das Perverseste, was ihr überhaupt in ihrem ganzen Leben jemals begegnet sei.
Er könne das alles erklären, sagte er.
Was denn nun wohl die Leute über sie dächten, wenn ihr Freund lieber einen Baum fickte als, na ja halt eben sie.
Das verhalte sich alles ganz anders, als es den Anschein habe, sagte er.
Und was das überhaupt für ein beschissener Baum sei da in Nachbars Garten. Und: WAS HAT ER; WAS ICH NICHT HABE!?

Manskes Freundin ließ nicht mit sich reden. Auch nicht am nächsten, übernächsten oder an irgendeinem anderen Tag. Auch die wahren Umstände seiner vermeintlichen Dendrophilie zu kennen, hätte den Entschluss der Freundin angesichts der erlittenen Schmach und Demütigung vor den Nachbarn wohl kaum mehr geändert. Der Mietvertrag für die gemeinsame Wohnung lautete auf den Namen Karl Manske, was diesen, als seine Freundin auszog, in die glückliche Lage versetzte, seinen sexuellen Neigungen in gewohnter Weise nachzugehen. Denn tatsächlich hatte Manske mittlerweile das Stadium der zunächst inneren Abwehr, dann scheuen Annäherung schon überwunden und freute sich auf seine allnächtlichen Begegnungen mit dem alten Baum. Die erste zärtliche Umarmung war von schauderndem Entzücken begleitet gewesen, und nie hatte er größere sexuelle Wonne empfunden als in dem Moment, als er seinen Schwanz erstmals in das in genau richtiger Höhe einladende Baumloch schob.

Über das zerbrochene Infrarotfernglas schickte Manskes Nachbar eine Rechnung, die Manske ohne Murren beglich.

der Gerd am 27.03.2002

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