
Ostermontagmorgen. Sie ist hellwach und, was sich schlecht aber häufig trifft, streitsüchtig. Sie
lamentiert.
Ob ich gut geschlafen habe?
Ja, natürlich.
Ach?! Und es sei mir wohl völlig egal, dass SIE nicht gut schläft. Schon lange
nicht mehr, schon seit Tagen nicht.
Währenddessen kochen die Eier im Topf. Es blubbert, und sie schlagen klackend an die Topfwand.
Wasserdampf macht eine Fahne über dem Herd.
"Warum nicht?" frage ich mehr pflichtbewusst als tatsächlich interessiert.
"Das interessiert dich doch gar nicht!" (Wie Recht sie hat.) Wie ich mich ja überhaupt
für gar nichts interessiere, was sie interessiert. Nur für mein, für
meine... Da gerät sie ins Stocken.
"Für mein Ei", helfe ich aus und nehme den Topf vom Herd, um gleich darauf die Eier unter den kalten
Wasserstrahl zu halten. Ich weiß immer noch nicht, worum es eigentlich
geht, aber ich wappne mich mit Gelassenheit. Stoische Gelassenheit, an
der ihre Vorwürfe abprallen werden wie ein Squashball an der Wand. Sie
funkelt böse.
"Was denn?", frage ich und lege die Eier auf den Tisch.
Und schaue sie geradewegs an, wobei ich mich um diesen besonderen
Blick bemühe, von dem ich weiß, dass er sie wehrlos macht. "Was denn?"
Sie sackt ein Stückchen in sich zusammen. "Du bist widerlich."
Das Ei kullert über den Tisch. Die Eier sind weiß. Ich weiß nicht, warum ich
seit jeher, schon als kleiner Bub, immer lieber braune Eier mochte.
Ich packe das Ei und stülpe es in den Eierbecher.
"Gut, ich bin widerlich." Später könnten wir, wenn das Wetter mitspielte, spazieren
gehen. Im Wald vielleicht. Ich liebe den Wald, wenn er im Frühjahr
eingrünt. Alle Bäume in zartem Flaum, jungfräulich irgendwie.
"Sollen wir nachher spazieren gehen?", frage ich sie mit Blick aus dem
Fenster.
Sie vergewaltigt währenddessen ihr Brötchen.
Andererseits
könnte ich auch das Motorrad nun wieder flott machen. Dann ein
bisschen durch die Gegend fahren, das wäre schön. Sie holt tief Luft,
und in meinem Magen bildet sich vage eine Faust. Ruhig bleiben, alter
Junge.
Ich ein Egoist? Ich berücksichtige nie ihre Wünsche? Ich mach
nur, was mir gefällt? Und dass ihr ganz kalt sei neben mir, sogar im
Bett, das ist besonders hart.
Ich hole mit dem Messer aus, und ZACK
hat das Ei keine Spitze mehr. Akkurat geköpft. Ich weiß, dass sie das
hasst.
Das Wetter ist schön. Ich werde das Motorrad flott machen.
der Gerd am 01.04.2002