Sternschnuppe

T a g e s s c h r i f t e n


Sonntag, 2. Juni 2002 (später)

Wir sind dann tatsächlich losgefahrn. Zu einem Dorf hier ganz in der Nähe, da sollte heute Markt sein. Meine Freundin wollte irgendein Werkzeug kaufen für ihre Schnitzarbeit. Hab ich, glaub ich, überhaupt noch nicht erzählt: Meine Freundin stellt nämlich so komisches Zeug her – sie macht das als Hobby. Es sieht meistens ziemlich gut aus, ist aber für nichts zu gebrauchen. Man kann es sich auf's Regal stellen. Das Zeug macht sie aus Holz oder Metall und allem, was ihr so in die Finger kommt. Das wollte ich jetzt aber eigentlich gar nicht erzählen.

Wir waren also in diesem Dorf, und von Markt keine Spur. Aber weil wir nun schon mal da waren, sind wir ein bisschen spazieren und dann zum Essen in einen Biergarten gegangen. Der Biergarten liegt gleich neben der Kirche. Und dann fingen die Glocken zu läuten an. Aber wie! Und das hat gar nicht mehr aufgehört. Und dann fing es in einer anderen Kirche auch noch an zu läuten. Und dann ist oben von der Straße ein Trauerzug marschiert gekommen – alle Leute ganz in Schwarz und mit todernsten Gesichtern. Und unten von der Straße her kam ein VW Cabriolet. Das ist ganz langsam gefahren, weil hinten ein Hochzeitspaar drin stand. So im offenen Wagen, wie das auch der Pabst oft gemacht hat, als er noch gesünder war. Der Schleier der Braut wehte wie eine Fahne im Wind. Und einen Riesenlärm haben die veranstaltet, weil an der hinteren Stoßstange des Cabriolets leere Büchsen angebunden waren, die auf der Straße schepperten. Und die Autos hinter dem Cabriolet haben alle gehupt. Nein, nicht weil das Cabriolet schneller hätte fahren sollen, sondern so aus purem Übermut. Alle hatten weiße Bänder an den Antennen flattern.

Von oben also der Trauerzug, von unten die Hochzeitsgesellschaft, und die Straße ziemlich eng, aber irgendwie mussten die ja jetzt aneinander vorbei. Der Trauerzug hat sich dann an die Häuserwände gequetscht. Die Braut hat ihren Schleier festgehalten und ganz betreten geguckt. Die Autos haben dann auch zu hupen aufgehört, wie sie gesehen haben, was ihnen da begegnet. Nur die Büchsen haben auch weiterhin mächtig gescheppert. Und die Kirchenglocken natürlich, die haben die ganze Zeit gedröhnt. Ich habe deshalb den Kirchenglocken Gedicht über Kirchenglocken ein Gedicht gewidmet.


der Gerd

DreiWegeGeier